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34.Etappe 18.09.2010

A Gudina – Campobecerros – Laza
Die Hose und Softshelljacke sind nicht ganz trocken. Habe keinen Ersatz also geht es heute um 7:00 mit den klammen Sachen ohne Frühstück los. Es regnet zum Glück nicht.

Der Weg führt auf einer Asphalt-Piste beständig nach oben. Ich ziehe offensichtlich die Guardian Civil an. Ein Fahrzeug fährt langsam von hinten an mir vorbei und kommt kurze Zeit später wieder von vorne an an mir vorbei.

Weiter geht es bergauf und langsam wird es hell, es liegt aber Nebel über den Bergen. Ich erkenne im Tal ein Dorf. Durch die Straßenleuchten ist das Dorf in gelblichem Licht getaucht mit den Lichtpunkten der Leuchten. Darüber liegt ein Nebelschleier. Jetzt hätte ich gerne eine andere Kamera. Das Motiv ist so wundervoll, aber mir bleibt nur die Erinnerung.

Es fängt leicht zu regnen an und ich ziehe wieder den Poncho an. Diesmal wärmt er und hilft ein bisschen gegen die Morgenkälte. Es geht für das letzte Stück auf 1100 Meter weg von der Straße auf eine Sandpiste. Am höchsten Punkt, ausgeschildert als besonderer Fotopunkt, ist nichts außer Nebel zu erkennen. Dann geht es auf der Sandpiste wieder abwärts und wechsel wieder auf Aspalt. Der Nebel sich lichtet etwas und ich erkenne unter mir den angekündigten See. Aber nur Momente später ist alles wieder im Nebel verschwunden.

Es folgen zwei winzige Dörfer, nur rechts und links der Straße ein paar Häuser. Zum Teil verfallen und alles sehr ärmlich. Im zweiten Dorf kommt mir plötzlich ein Pferd von oben rechts angaloppiert. Bleibt vor mir stehen und weicht mir dann aus. Ich sehe einen Bauern, der gerade die Weide geöffnet hat und dabei ist es wohl getürmt.

Um 11:30 habe ich den kleinen Ort Campobecerros erreicht und damit bereits 21 km meines heutigen Weges absolviert. Am Ortseingang grüße ich einen älteren Mann und eine ältere Frau. Der Mann spricht mit mir und ich gebe Ihm zu verstehen, das ich nichts verstehe und aus Deutschland komme. Er antwortet mir nun auf Deutsch. Beide waren für 15 Jahre in Bayern. Die Frau bringt mich zu einer kleinen Bar. Wieder ist hier die Zeit stehen geblieben. Rechts vom Eingang sitzt eine alte Frau in einem Sessel und daneben noch eine Frau.


Am Tresen sitzen zwei Männer beim Bier. Es wird nicht gesprochen. Ich warte am Tresen und die alte Frau kommt zu mir. Wieder die Frage woher ich komme und als ich Deutschland sage wird Sie sehr freundlich und gesprächig. Sie war mit Ihrem Mann von 1963 – 1975 in Frankfurt. Die Betreiberin der Bar, Ihre Tochter, ist dort geboren und hat zwei Jahre dort die Schule besucht. Ich bestelle einen großen Kaffee, 1,5 L Mineralwasser und ein Omlette mit Schinken. Das Omelett ist mit Tomatenscheiben garniert. Ich habe schon lange nicht mehr so leckere Tomaten gegessen. Als ich noch ein Omlett bestelle, bekomme ich ein Stück Schinken zum Probieren. Im Omlett ist diesmal mehr Schinken und auch sind mehr Scheiben Tomaten dabei. Zusätzlich bekomme ich noch ein Stück Tortilla dazu. Ich mache von der alten Frau im Sessel ein Foto. Danach muss ich in den Sessel und die Tochter macht von uns zusammen ein Foto. Nach einer Stunde Pause geht es wieder weiter. Ich werde die Fotos zur Bar schicken.

Nach einem weiteren Anstieg beginnt der Abstieg von etwa 1050 auf 400 Meter. Der Nebel ist verschwunden und es klart zusehens auf. Die Sonne kommt ab und zu durch. Es ist eine wundervolle Berglandschaft und erinnert mich etwas an den Schwarzwald.

Von den Wolken und der Sonne werden die Berghänge in ein tolles Licht- und Schattespiel getaucht. In den hellen Flecken tauchen die verschiedensten Grüntöne auf. Ein Teil erstrahlt auch leicht ins Türkis. Als Farbtupfer wirkt ein Dorf mit strahlend weißen Wänden und roten Dächern. Ich mache etliche Fotos,auch Bilder für Panoramafotos und kann mich nicht satt sehen an dieser Landschaft.

Der Weg zieht sich beständig an den Hängen bergab. Ich kann schon weit vor mir den Weg nach unten erkennen. Gegen 14:30 sind die meisten Wolken verschwunden und die Sonne erstrahlt wieder sehr stark. Etwa 4 km vor meinem Ziel fordern meine schmerzenden Füße und eine kleine Blase eine Pause. Ich liege einige Zeit im Gras am Wegesrand und genieße endlich wieder die starke Sonne.

Im Ort verlaufe ich mich, aber ein Autofahrer hält an und zeigt mir den Weg zum Zivilschutz. Dort muss ich meinen Schlüssel holen, 5 EUR bezahlen, bekomme Bettwäsche und meinen Stempel.

In der Herberge treffe ich wieder auf Jose, Giovanni und einem jungen Deutschen. Später kommt noch ein deutsches Paar aus Jena hinzu. Sie sind in Zamora gestartet und noch sehr förmlich mit einem „Sie“. Ich verkneifen mir Sie darauf aufmerksam zu machen, das auf dem Camino ein „Du“ herrscht. Es ist völlig unwichtig wer und was man ist.

Meine Wäsche ist heute wieder nach kurzer Zeit trocken. Den heutigen Tag mit ca. 36 km beschließe ich mit einer Blase. Die Füße haben sich wieder erholt und warten auf die morgigen 31 km – Etappe. Dann wird es wieder kürzer.

33.Etappe 17.09.2010

Lubian – A Gudina
Gegen 6:00 begann wieder wieder das Leben im Schlafsaal. Wie zuletzt standen das spanische Paar als erste auf, der Italiener folgte. Nur diesmal zog er sich plötzlich wieder aus und legte sich wieder hin. Als nächster folgte Jose, er ging auf den Balkon um seine Schuhe zu holen, kam wieder zurück und flüsterte mir zu: „Regen“.

Nun lagen wir vier Fußpilger im Betten und die Zeit verran. Mir kam es vor wie: Wer zu erst aufsteht hat verloren. Um 8:30 standen wir schließlich alle auf. Draußen regnete es ohne Unterbrechung. Der Tag begann fürchterlich. Warten nutzt nichts, es müssen noch 25 Kilometer bewältigt werden. Ich zog meine Softshelljacke an und nach dem Rucksack meinen Poncho darüber. Dann ging es mit Markus los. Es regnete bald nicht mehr stark aber ohne Poncho ging es auch nicht.

Zunächst ging es auf Beton und Asphalt ins Tal, dann wurde der Weg mit einer anspruchsvollen Steigung auf den Pass von A Canda auf eine Höhe von 1250 Meter uneben und steinigen. Hier betraten wir dann auch die Region Galicien.

Jacke, Poncho und Steigung waren zu viel, der Schweiß floß bei mir in Strömen. Es ging auf und ab und am Nachmittag waren insgesamt 660 Höhenmeter bewältigt. Da ständig dicke Regenwolken am Himmel waren, konnte ich den Poncho bis zum Schluß nicht ausziehen.

Um 14:30 hatte ich nach ca. 25 anstrengenden Kilometer völlig verschwitzt die Herberge erreicht. Mir taten die Füße weh, war ein bisschen geschafft und genoss anschließend die warme Dusche ausgiebig.

Vor mir war eine Gruppe Radpilger angekommen und belegten den letzten freien überdachten Wäschetrockenbereich. Mir blieb nichts anders übrig als zwischen zwei Doppelstockbetten meine Wäscheleine zu spannen und meine Wäsche hier aufzuhängen. Nun hoffe ich, dass meine Kleidung auch trocken wird.

Mit Markus ging zum letzten Mal zum Essen. Er hat eine Entzündung am Bein und fährt mit der Bahn nach Ourense. Wieder ein Abschied, nun ist nur noch das Schweizer Paar hinter mir. Die drei deutschen Frauen haben mir im Gästebuch der Herberge eine Nachricht hinterlassen und sind wie Petro zwei Tage voraus. Herbert, Bernhard und Birgit mindestens auch zwei Tage vor mir.

Morgen steht eine 35 km Etappe an und hoffentlich regnet es nicht.

32.Etappe 16.09.2010

Puebla de Sanabria – Requejo – Lubian
Wieder eine Nacht habe ich gut geschlafen. Das Bett und Kissen waren bezogen. Zusätzlich gab es eine bezogene Bettdecke, die Matratze war in Ordnung und keiner schnarchte. Um 6:30 trafen Jose, Markus, ein Italiener und ich uns in der Küche zum Packen und zum Frühstück. Anschließend startete ich gegen 7:15 . Nach meinem Führer musste ich über etliche Treppen hoch zur Burg. Oben angekommen war ich am Schnaufen und Schwitzen, ich war noch nicht auf Betriebstemperatur.

Die Altstadt war herrlich aber leider war ich am Abend zu faul gewesen um sie mir anzuschauen. Hier habe ich wirklich etwas versäumt!

Oben angekommen fand ich keinen gelben Pfeil oder sonstigen Hinweis auf den Weg. Mein Navi führte mich jetzt nur mit der Richtung, ich musste mehrfach einen Weg raus aus der Altstadt suchen. Irgendwann landete ich im Dunkeln auf ein ziemlich zugewachsenen Pfad nach unten und dann auf einer Landstraße raus aus der Stadt. Über einige Kilometer ging es nur auf dem Randstreifen weiter. Erst kurz vor dem Ort Terroso konnte ich die Straße verlassen und war endlich wieder im Gelände. Am Ortsausgang machte ich zum Telefonieren die erste Pause.

Schon bald nach meiner Pause haben mich die kleinen Fliegen wieder als Opfer ausgesucht. Nur jetzt brauche ich meine Stöcke da der Weg zusehens bergauf führt. Mir fehlt jetzt die freie Hand zum Wedeln mit dem Hut. Die Fliegen kommen mir vor wie Kamikaze-Flieger, Angriff auf Angriffe folgen. Ich sehe immer wieder mehrere auf mein Gesicht zufliegen. Obwohl ich vor Anstrengung bereits Schnaufe, muss ich zusätzlich Luft zum Pusten verwenden. Ich habe keine Chance, erhalte Treffen ins Auge, im Mund, in der Nase und irgendwo im Gesicht. Die Plage endet erst im Ort Requejo. Der Kaffeedurst treibt mich dort in eine Bar. Zum Cafe con Leche esse ich noch zwei warme leckere Tortilla. Nach einer ausgiebigen Pause geht es jetzt auf den anstrengenden Teil hoch auf ca.1300 Meter.

Durch meine lange Pause hat mich Markus überholt und ist überrascht mich plötzlich hinter sich zu haben.

Der Weg steigt zunächst sanft an, wird dann nach und nach aber steiler. Leider fängt es zu regnen an und ich muss meinen Poncho überziehen. Mit der Anstrengung schwitze ich unter dem Poncho heftig. Markus hat eine Entzündung am Schienbein und zusätzlich eine Blase. Wir laufen langsam weiter noch oben. Spontan entschließen wir uns nicht bis auf den Pass zu laufen sondern etwa 100 Meter tiefer die Nationalstraße und den Tunnel zu nutzen.

Zuerst müssen wir eine kurze Klettereinlage zur Straße einlegen. Die Straße führt über eine Brücke und hat in diesem Bereich keinen Randstreifen. Wohl ist mir bei diesem Weg nicht, es kommt zum Glück nur ein Fahrzeug entgegen. Im Tunnel gibt es einen schmalen Gehweg. Ich bleibe stehen als mir ein Lkw entgegen kommt. Es ist ziemlich eng!

Bis nach Padornelo laufen wir auf der Straße und dann erst geht es wieder auf einem Pfad weiter. Nur gut zu laufen ist der Weg nach unten nun auch nicht. Teilweise habe ich das Gefühl in einem ausgetrockneten Bachbett zu laufen. Wir müssen ständig auf das Geröll aus großen und kleinen Steinen. Es folgt ein auf und ab bis wir Lubian nach 32 km um 16:20 erreichen. Die Herberge liegt direkt am Camino und Ortseingang.

Um etwas einzukaufen müssen wir durch den Ort. Es gibt noch einige Ruinen aber der größte Teil des Dorfes ist wieder schön renoviert. Er erinnert stark an die Orte in Galicien.

Ein Pilgerinnen berichtete am Abend in der Herberge, dass Sie mit Ihrem Mann heute Morgen Wölfe heulen gehört hat. Es ist bekannt, dass es wieder Wölfe in dieser Gegend gibt. Sie kommen von Portugal rüber.

31.Etappe 15.09.2010

Mombuey – Puebla de Sanabria
Ein Spanier, mittleren Alters, lag vor mir oben im Doppelstockbett und deckte sich abends mit einer Alufolie zu. Die Folie hing über meinem Kopf! Obwohl er in Merida begonnen hatte war er noch nicht braun. Er kam mit freiem Oberkörper in die Herberge, es machte den Eindruck als ob er jetzt noch schnell Bräune tanken wollte. Er erinnerte mich stark an den jungen Mann im Film „Pilgern auf Französisch“, der mit einer leitenden Position prahlte und zum Schluß am Schalter einer Sparkasse saß. Die Nacht mit raschelnder Alufolie schien verheißungsvoll zu werden.

Um 5:00 klingelte ein Wecker! Nicht meiner, es war mein Spanier mit der Alufolie. Hurtig stand er auf und setzte sofort eine Stirnlampe auf. Der Schein traf mich auch einen Moment später voll ins Gesicht. Ich hatte den Eindruck in einem schlechten Film mitzuspielen. Der Reißverschluß des Rucksacks wurde geöffnet und dann begann ein Raschelmarathon. Er holte alle Beutel raus – es waren alles stark raschelnde Folien – und fing an zu packen und umzupacken. Meine für Ihn hörbare Reaktion schien Ihn nicht sonderlich zu stören. Seine Aktionen zum Bad / im Bad waren auch gut hörbar. Die Krönung des Ganzen kam aber nun. Er ging mit Beuteln zu Tisch im Raum, dabei stieß er noch lautstark gegen die Bank und fing nun raschelnd an zu frühstücken. Nach 40 Minuten wurde beim Verlassen der Herberge noch als Abschluß lautstark die Tür geöffnet und geschlossen. Dann trat endlich wieder Stille ein.

Um 6:30 zog ich mich an und schleppte leise meine Sachen aus der Herberge. Draußen verstaute ich meinen Schlafsack, die anderen Sachen waren am Abend bereits gepackt. Mein Frühstück nahm ich auf einer Bank 20 m weiter unter einer Laterne bei der Kirche ein. Es war ein warmer Morgen.

Inzwischen kam Markus aus der Herberge und machte sich auf den Weg. Kurz vor der Großbaustelle – die Baustelle hatte mich wieder – holte ich Ihn ein. Das Weitergehen war verboten doch kein gelber Pfeil zeigte eine Umgehung und so gingen wir einfach weiter. Wir landeten an den Rand der ausgebaggerten Straße etwa 10 m tief unter uns. Der Rand war nur notdürftig abgesichert. Nun standen wir etwas irritiert am Grand Canyon im Kleinformat. Dann aber entdeckte Markus weiter oberhalb der neuen Straße eine Rampe nach unten.

Kaum das wir unten angekommen waren fielen mir zwei von meiner Stirnlampe angestrahlte, funkelnde Augen auf. Nicht weit vor uns lagen zwei große Hunde mitten auf der Straße. Ein leichtes Unwohlsein schlich sich bei mir ein, aber wir schritten einfach an den Hunden vorbei zur anderen Seite auf den dortigen Rand der Straße. Als wir im Abstand von etwa 3 m an den Hunde vorbei kamen legten sie müde ihre Köpfe wieder auf die Straße.

Die Straße war mit dickem Staub bedeckt, man versank mehrere Zentimeter. Gut das es nicht regnete. Dank meines Navis fanden wir schon bald wieder den Camino.

Langsam wurde es wieder hell und die Landschaft bot wieder einen herrlichen Anblick, ähnlich wie tagszuvor. Nach und nach tauchten Reste verwitterter Steinmauern auf und die Flächen waren stärker bewaldet. Im zweten Dorf machte ich eine kleine Pause. Dann folgte Dorf an Dorf wie an einer Perlenkette gereiht. Bei einer längeren Strecke – heute waren es 32,4 km – ist so etwas abwechslungsreicher und macht das Laufen leichter.

Die Dörfer erinnern immer mehr an Galicien. Gegen Mittag kam ich durch einen Waldbrand verwüstetes Stück. Keine Pfeile mehr in Sicht und auch keinen eindeutigen Pfad erkennbar. Schon zum zweiten Mal half mir mein Navi weiter. Ich durchlief inzwischen Dickicht und kletterte über alte Mauern, dann aber hatte de Camino mich wieder.

Im folgenden Dorf sah ich nicht weit vom Weg eine Bar und vorher einen netten schattigen Platz. Also zur Bar und dort kaufte ich 1,5 L kaltes Mineralwasser für 1 EUR. Auf einer schattigen Bank aß ich mein Rest Brot und Käse. Markus traf auch ein und holte sich auch etwas zu trinken und so wurde aus der kurzen Pause eine längere.

Auf dem nun folgenden Stück hatte ich eine Attacke besonderer Art. Plötzlich umschwärmten mich hunderte kleine Fliegen. Selbst Autan war nutzlos. Ich nahm meine Stöcke in die linke Hand und wedelte fast 2 Stunden mit meinem Hut vor meinem Gesicht. Ohne das Wedeln hätte ich einen Fliegennachtisch gehabt. Später berichtete mir Markus und Jose ebenfalls von den Fliegen.

Das letzte Stück verlief fast nur bergauf auf kleinen Landstraßen und ich lieferte mir mit Jose noch einen kleinen Wettkampf. Am Ortsanfang hatte ich Jose dann doch eingeholt und wir trafen zusammen in einer netten Privatherberge ein. Mir verpasste Jose den Spitznamen: Walkingmachine.

Mein spanischer Raschler war schon da. Zu seinem Glück duschte er nur hier und fuhr mit dem Bus weiter nach Ourense. Zu weit um in Zukunft gemeinsam in einer Herberge zu übernachten.

Die Altstadt mit Kirche und Burg liegt oberhalb der Herberge. Ich werde allerdings nicht mehr dort rauflaufen, mein Pensum für heute ist erreicht.

30.Etappe 14.09.2010

Rionegro del Puente – MombueyWie so oft werde ich bereits gegen 5:00 wach. Doch dieses Mal habe ich einen Pilgerurlaubstag mit nur 9,5 km Strecke. Ich drehe mit nochmals genüßlich um und schlafe weiter. Kurz vor 8:00 ist dann doch Aufstehzeit, auch meine zwei Mitpilger im unteren Schlafsaal sind wach. Um 8:30 treffe ich mich mit Christoph und den vier Deutschen (Mutter (71) mit Tochter und Paar aus Köln) zum Frühstück in der nächsten Bar.

Christoph ein junger deutscher Radpilger studierte in Hamburg Medientechnik und hat gerade sein Diplom abgeschlossen. Wir hatten uns abends zuvor lange unterhalten. Er startete mit dem Rad in Barcelona, fuhr auch ein Stück auf dem Camino Frances. Hier musste er öfters vom Weg abweichen, es waren zu viele Pilger unterwegs. Auch hat er schnell wieder Santiago verlassen, es waren hier zu viele Menschen. In drei Herbergen kam er wegen Überfüllung nicht unter. Nun ist er auf dem Weg von Santiago über Zamora, Salamanca nach Madrid unterwegs.

Die vier Deutschen hatte ich auch schon in der vorherigen Herberge getroffen. Sind alle sehr nett und man kann sich gut mit Ihnen unterhalten. Heute fahren Sie mit dem Taxi zu meinem übernächsten Zielort um etwas aufzuholen. Ich denke ich werde sie vielleicht nochmals sehen.

Nach einem Frühstück mit Cafe con Leche Grande und 2 Magdalena (Törtchen) laufe ich dann kurz nach 9:00 los. Zunächst ist es ein langweiliges Stück neben und über der Autobahn. An einer Gewerbeanlage für Gasflaschen bin ich gerade vorbei als drei große Hunde bellend aus dem Eingang auf mich zukommen. Eine laute Stimme bremst aber deren Lauf glücklicherweise.

Nun beginnt das schönste Stück dieser kurzen Urlaubs-Etappe. Wieder durchlaufe ich eine sanft hügelige Lanschaft mit goldgelbem Gras, das zum Teil auch noch durch die tief stehende Sonne zum Leuchten gebracht wird. Die schlanken Grashalme sind ca. 60 – 80 cm hoch und sehen aus der Ferne aus wie Millionen Federn. Ich habe großes Verlangen mich dort wie in ein Bett hineinzulegen. Durchzogen sind diese goldgelben Wiesen mit Steineichen, Büschen und Sträucher. Dazu in der Ferne die nächste Bergkette, die ich in 2 – 3 Etappen, überqueren muss. Ich mache in dieser traumhaften Landschaft, obwohl ich es nicht nötig habe und auch meine Füße es nicht benötigen, eine Pause.

Dieser wunderschöne Abschnitt ist aber bald wieder vorbei und ich sehe die Raststelle mit Tankstelle an der Nationalstraße kurz vor Mombuey. Ab dort geht es in den Ort und zur Herberge. Ich bin trotz Pause und gemütlichem Spaziergang erstmals ohne verschwitzt zu sein um 11:00 am heutigen Ziel.

Die kleine Herberge mit 11 Betten wird gerade gereinigt. Ich darf kurz rein und belege das einzige Einzelbett neben den Doppelstockbetten. Im Raum befindet sich noch ein Tisch. Im Nebenraum ist WC mit Dusche. Alles ist etwas dunkel aber sauber.

Anschließend hole ich den Schlüssel und in einem Papierladen meinen heutigen Stempel. Dann kaufe ich noch etwas zum Trinken und Essen im nahen Dorfladen. Am Kirchplatz versuche ich zu Essen muss aber fluchtartig vor den Wespen in die Herberge zum Essen flüchten.

Nach einem kleinem Mittagsschlaf kommt ein spanisches Paar und kurz darauf ein einzelner spanischer Pilger. Ich gehe zum Berichte schreiben (gestern war mein Hany abgestürzt und alles war weg) zu einer Bar. Kaum sitze ich draußen vor der Bar kommt Markus mein Schweizer Pilgerbekannte. Die Freude des Wiedersehens ist groß, er holt sich auch ein Bier und setzt sich zu mir. Wir tauschen uns u.a. über gemeinsame Bekannte oder neue Pilgerbekannte aus. So funktioniert der Pilgerfunk! Man ist wieder auf dem letzten Stand.

Inzwischen kommt ein weiterer Pilger vorbei und Markus bricht zur Herberge auf. Sicher ist sichet bevor plötzlich alle Betten vergeben sind. Es wird langsam eng auf dem Camino.

29.Etappe 13.09.2010

Santa Croya de Tera – Calzadilla de Tera – Rionegro del Puente
Die Nacht war himmlich: Gute Matratze, kein Knarren und kein Schnarrchen (mich vielleicht ausgeschlossen)! Ich habe großartig geschlafen, nur meine Uhr holte mich aus dem Tiefschlaf. Schnell werden Rucksack, NW-Stöcke, Schuhe und Schlafsack in den Aufenthaltsraum geschleppt. Meine drei Frauen sind schon da. Dort wird sich angezogen und der Rucksack fertig gepackt. Dank Niki hole ich noch mein Ladegrät mit zwei Akkus für mein Navi aus dem Schlafsaal. Ich hätte es vergessen!

Einen Minibecher Kaffee spuckt der Automat für mich noch gerade aus, danach gibt es nichts mehr. Ich habe nur 1-EUR-Stücke, der Kaffee kostet 80 Cent und Wechselgeld hat er nicht. Wir verlassen die Herberge gegen 6:30 wieder mit Jacke und Stirnlampe. Diesmal habe ich keine Lust lange zu laufen und so wird die heutige Etappe auch nach 28 km enden!

Erstmals liegt Bodennebel über den Wiesen und wir müssen mehrere Schlammstellen durch- bzw. umlaufen. Wir bleiben zusammen und erreichen gegen 9:00 den ersten Ort. Getrieben vom Kaffeedurst suchen wir eine geöffnete Bar, leider Fehlanzeige. Ein alter Mann verweist uns auf das nächste, 3 km entfernte, Dorf. Nun geht es immer an einem kleinen Kanal entlang bis dort hin. Leider finden wir wieder keine Bar und machen auf einem Dorfplatz des ausgestorbenen Dorfes eine längere Pause.

Ab diesem Dorf nehmen wir zur Sicherheit die im Führer ausgewiesene Alternativroute. Der Hauptweg kommt nach 6 km an eine Stelle, die häufig überschwemmt ist und keine Ausweichmglichkeiten bietet. Dann nochmals zurück und erst dann auf die Alternativroute ist nicht wirklich spaßig! Der Weg verläuft auf einer Asphalt-Piste bis zum Stausee und stößt dann wieder ab der Staumauer auf dem Hauptweg.

Nach dem Überqueren des Sees geht es noch einige Zeit auf einer kleinen Straße weiter, doch dann tauchen wir wieder ein in eine herrliche Landschaft. Immer vor uns eine Bergkette. Bald heisst es diese zu überwinden. Dort geht es auf ca. 1300 Meter und Galicien ist erreicht.

Gegen 13:30 haben wir meinen Zielort erreicht. Hier sitzen wir zum letzten Mal beim Clara (Radler) bzw. Eis zusammen. Conni, Niki und Lisa fahren mit dem Bus weiter um Zeit zu sparen. Wieder einmal trennt man sich von Pilgerbekanntschaften. Dies ist typisches Pilgerleben, man trifft sich, verabschiedet sich und manchmal trifft man sich irgendwo mit Freude wieder.

Die Herberge ist schön und geräumig. Hat einen großen Schlafsaal im Erdgeschoß und einen kleinen Schlafraum im OG. Ich breite mich als Einziger auf einem Einzelbett im EG aus. In beiden Ebenen gibt es 2 Duschen und 1 WC. Eine Küche mit Waschmaschine und Trockner und einen Innenhof für Fahrräder und Wäsche.

Nach mir kommt Christoph, ein deutscher Radpilger, dann ein spanischer Radpilger, ein spanisches Pilgerpaar, wir sind uns schon ein paar mal in Herbergen begegnet und zu Schluß am Abend kommen die vier Deutschen.

28.Etappe 12.09.2010

Tabara – Santa Croya de Tera
Dank meiner Vorbereitung konnte ich um 6:20 schnell Rucksack, Schuhe, NW-Stoecke und Schlafsack aus dem dunklen Schlafsaal in den Aufenthalsraum schaffen. Dort wurde dann endgueltig angezogen und der Rucksack fertig gepackt. Nach dem reichhaltigen Fruehstueck mit Jogurt, Pfirsich und Wasser waren inzwischen alle im Schlafsaal wach, am Packen und stroemten in den Aufenthaltsraum. Wir, Conni, Niki, Lisa und ich, verliessen rechtzeitig die Herberge ohne in den Trubel zu geraten.

Kaum das man wieder den Weg ohne Lampe erkennen konnte, hatte uns die Grossbaustelle einer Autobahn oder Schnellstrasse wieder erreicht. Der Weg wurde grossraeumig daran vorbeigeleitet. Zumindest diesmal wiesen die gelben Pfeile den neuen Weg.

Gestern hatten wir mit Tabara die vor uns seit Tagen am Horizont erkennbare Bergkette erreicht. Die Landschaft wechselte auch. Inzwischen gab es grosse bewaldete Flaechen und immer wieder leichte Anstiege. Bei einem laengeren Anstieg verabschiedete ich mich von drei Frauen bis zum Nachmittag in der gleichen Herberge.

Die nun folgenden Steigungen betrachtete ich wieder als ideale Trainingsstrecke. Mir geht es inzwischen rundum gut. Der Rucksack und die Schuhe sind wie eine Einheit fuer mich und die Fuesse haben sich an Gewicht und an das Laufen gewoehnt. Die Temperatur war noch etwas frisch, aber auch gut fuers Laufen. Ich verausgabte mich mit Freuden auf den Steigungen.

Am Ortsanfang von Berdanos de  Valverde musste ich der vielen Steine in den Schuhen wegen eine kurze Zwangspause einlegen, aber danach zog ich ohne Baraufenthalt weiter. Ich hatte einfach nur Spass am Laufen und dazu kamen mir vier hinter mir kommende Radpilger auf einem steilen  Anstieg gerade recht. Die ersten beiden Radler zogen noch zuegig an mir vorbei, aber die beiden Letzten hatten Muehe mich einzuholen. Ich hatte mein Tempo inzwischen auch deutlich angezogen, die Verausgabung war mir der kommende Spass als Abwechselung wert. Dann erreichten Sie mich, gruessten freunlich, aber schon mit leicht gequaelten Gesichtern. Nicht viel spaeter musste der Erste absteigen und ich hatte Ihn bald wieder erreicht. Der stolze spanische Radpilger drehte seinen Kopf weg von mir, es arbeitete wohl in Ihm von mir ueberholt zu werden. Der Zweite stieg etwas weiter dann auch vom Rad. Kurz bevor ich Ihn einholte, stieg er wieder auf und strampelte mit der letzten Kraft. Ich  erreichte Ihn trotzdem und er brauchte einige Zeit sich von mir zu loesen. Oh wie hart ist doch das Radpilgerleben!

Schon bald danach erreichte ich bis auf 20 – 30 Meter ein Walkingpaar mit Hund. Sie hoerten das klac, klac meiner NW-Stoecke deutlich und beeilten sich ploetzlich mich nicht rankommen zu lassen. Wieder machte es mir Freude an Beiden dran zu bleiben bzw.  sie einzuholen. Dieses Spiel ging ueber mehrere Kilometer und etwa 2 Kilometer vor meinem Zielort hatte ich Sie dann auch erreicht oder Sie hatten aufgegeben.

Dadurch hatte ich bereits um 11:45  mein Ziel nach 25,4 km erreicht. Es ist Sonntag und alles war wie ausgestorben im Ort. Einkaufen war nicht moeglich, alle Laeden an denen ich vorbei kam waren geschlossen. Die private, wunderbare Herberge bot aber ein Menue um 15:00 oder 20:30 an. Ich entschied mich fuer 15:00.  Fast eine Stunde spaeter kamen die drei Frauen an und zum Nachmittag kamen noch weitere Pilger, auch eine 4-koepfige Gruppe aus Koeln und Frankfurt.

Fuer Morgen bin ich noch unschluessig 28 km oder zusaetzlich die Folgeetappe mit 9,5 km noch dran haengen. Jedenfalls ist geplant gemeinsam gegen 6:15 zu starten. 28 oder 38 km wird fuer mich morgen eine Bauentscheidung.

27.Etappe 11.09.2010

Granja de Moreruela – Tabara
Wieder verließ ich gegen 7:00 mit Conni, Niki, Lisa und Petro die Herberge. Im Ort gabeln sich die Wege. Petro geht die Via de la Plata bis nach Astorga. Dort mündet die Via dann in den Camino Frances und geht dann weiter nach Santiago. Die drei Frauen und ich sind schon den Weg Astorga – Santiago gelaufen und wir wollen auf dem Mozarabischen Jakobsweg bis nach Santiago laufen.

Der Mozarabischen Jakobsweg beginnt in Granada, mündet in Merida in die Via und trennt sich in Granja de Moreruela, unserem heutigen Startort, wieder und verläuft oberhalb der Portugiesischen Grenze durch Galicien über Ourense nach Santiago.

Das Wetter verspricht wieder schön zu werden und beschert uns einen wunderbaren Sonnenaufgang. Diesmal nehme ich viele Bilder von der Phase vor dem Sonnenaufgang auf. Die Wolken haben wundervolle Rottöne und die Landschaft mit den Bäumen und Sträuchern als Silhouette davor wirkt phantastisch. Dazu am höchsten Punkt eines Hügels die drei Frauen kommend ebenfalls als Silhouette war ein tolles Fotomotiv.

Kurz nach 8:00 erreichen wir den Fluss Esla und überqueren ihn über eine Brücke. Auf der anderen Seite gibt es eine leichte Klettereinlage und danach geht es auf und ab am Flusshang entlang und endet mit einem Anstieg weg vom Fluss. Weiter geht es wieder durch eine schöne hügelige Landschaft. Als ich an einem Weinfeld vorbei laufe werde ich gefragt ob ich ein Deutscher bin. Der Spanier hat 20 Jahre bei Stuttgart gelebt. Er lädt mich zu einer Pause ein. Auch die drei Frauen kommen noch hinzu. Er fordet uns auf Weintrauben zu essen. Wir nehmen dankend an. Die drei Frauen ziehen kurz darauf weiter, ich bleibe noch und unterhalte mich weiter mit Ihm. Er hat sich durch seine Zeit in Deutschland viel Land u.a. auch das Weinfeld gekauft. Momentan verkauft sich sein Wein nur sehr schlecht. Von Deutschland hat er ein sehr gute Meinung und schwelgt in Erinnerungen an diese Zeit. Dann muss auch ich weiter.

Die drei Frauen sehe ich nur noch als kleine Figuren in der Ferne bei einem sehr langen Anstieg nach Faramontanos de Tabara. Es sind ca. 3 km bis dorthin. Bei mir kommt sportliche Ergeiz auf und ich nehme mir vor die Drei noch am Ortsanfang zu erreichen. Ich schalten mit meinem Nordic Walkingstöcken den Turbo ein. Auf der Strecke erreiche ich die ideale Herzfrequenz von 80-85% meines Maximalpulses. Eine herrliche Trainingseinheit von ca. 30 Minuten mit einem 15 kg Rucksack. Leider erreiche ich sie erst kurz hinter dem Ortanfang.

Wir machen zunächst in der Bar und dann auf dem Plaza Mayor ein längere Pause. Auf dem weiteren Weg habe ich meine erste heftige Hundeattacke. Ich erreiche eine eingezäunte Schafsherde und der erste davor liegende Hunde schlägt an, der zweite liegende Hund hebt nur müde seinen Kopf. Dann aber kommen zwei weitere große junge Hütehunde angerannt. Beide nehmen mich in die Zange. Inzwischen habe ich wieder beide Stöcke in der linken Hand und rechts mein Pfefferspray. Beide Hunde sind sehr akressiv und etwa 3 Meter von mir entfernt. Erstmals habe ich das Gefühl hier nicht ungeschoren rauszukommen. Ich rede beruhigend auf die Hunde ein und gehe langsam am äußersten rechten Rand der Piste, möglichst weit von der Herde weg, weiter. Beide lassen mich passieren. Ich bin total erleichtert.

Das nächste Hindernis ist eine riesige Baustelle. Wegemarkierungen gibt es nicht mehr. Ich warte bis die drei Frauen kommen und wir gehen nach meinem Navi. Wir erreichen das Innere einer etwa 4 m tiefen riesigen Baugrube. Glücklicherweise finden wir eine aufgeschüttete Rampe und können nach oben raus. Der weitere Weg führt über abgeerntete Felder bis zu einem Feldweg immer meinem Navi nach.

Wir sind nicht die Ersten in der Herberge, zwei junge Spanier sind schon da. Die Herberge füllt sich bis zum Abend bis auf das letzte Bett. Ein Radpilger kommt zu spät und muss weiter fahren. Ab jetzt wird es spannend, immer mehr Spanier steigen jetzt in den Camino ein.

Hinweis zu Fotos

Meine Berichte schreibe ich mit meinem Handy und sende sie als Mail an meinen Blog. Bilder meiner Kamera kann ich leider nicht auf mein Handy übertragen und anfügen. Bei den PC´s im Internetcafe oder in den Bibliotheken war es leider auch nicht möglich Bilder der Kamera über USB an meinen Blog zu übertragen.

Nach meiner Rückkehr werde ich Bilder den Berichte zufügen und eine Bildergalerie im Blog einbinden. Da ich im Januar/Februar 2011 einen weiteren Vortrag über beide Jakobswege plane, werden selbstverständlich auch Fotos dieser Reise gezeigt.

26.Etappe 10.09.2010

Montamarta – Riego del Camino – Granja de Moreruela
Die Nacht war ein Horror! Jeder Federkern meiner Matratze drückte in den Rücken. Sie hatte schon bessere Tage erlebt. Gegen 24:00 holte ich schließlich im Dunkeln meine Isomatte und legte sie als Unterlage auf die Matratze. Zunächst ging das auch, aber nach einiger Zeit klebte meine Haut der Arme oder Beine an der Kunststoffoberfläche fest, ein Drehen wurde schmerzhaft. Gegen 3:00 hielt ich es nicht mehr aus und stand auf und suchte nach einer freie Wolldecke. Diese fand ich im Waschraum, ob sie schmutzig oder sauber war, war mir in diesem Augenblick völlig egal. Die Decke kam über die Isomatte, leider aber nicht knitterfrei. Ich wollte nicht noch mehr Krach im Schlafraum verursachen. Es dauert noch einige Zeit bis ich endlich eingeschlafen war. Wieder viel zu früh um 6:15 klingelte mich meine Uhr aus dem Schlaf.

Nach einem Frühstück mit 4 Jogurt und Mineralwasser ging es auf den Weg. Der Morgen war wieder ziehmlich kühl, ohne Jacke nicht laufbar.

Nach einiger Zeit erreichte ich eine Straßenbaustelle. Riesige Baustellenfahrzeuge kreuzen den Camino und ich bin froh, dass mir mein Navi den Weg über diese Baustelle zeigte. Gegen 9:45 sehe ich erstmal den im Führer angekündigten Stausee. Der Weg um den zum Teil ausgetrockneten See zog sich lange hin. Mein Navi zeigte mir zwar eine Abkürzung, ich traute mich aber nicht diesen Weg zu nehmen. Der Untergrund konnte vielleicht schlammig sein, meine Bachdurchquerung war mir noch gut in Erinnerung. Danach ging es an eine riesigen Burgruine vorbei. Mit Blick auf diese Ruine machte ich meine erste Pause. Der Käserest und drei Birnen mussten gegessen werden und den Rucksack erleichtern.

Um 11:30 erreichte ich Riego del Camino. In einer Bar machte ich für zwei Kaffee nochmals eine Pause. Beim Eintreten empfing mich eine Finsternis, lediglich die alte Frau hinter dem Tresen und davor einen Mann konnte ich schemenhaft erkennen. Es dauerte eine Weile bis ich mich an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatte. Die Einrichtung erinnerte an die 50ziger Jahre. Coni, Niki und Lisa trafen dann auch ein und tappten wie ich zuvor recht unbeholfen in den dunklen Raum.

Gemeinsam liefen wir die letzten 7 km zu Zielort. Wieder umgab mich eine schöne Landschaft mit blauen Himmel und einem Hauch von Wolken. Heute überwiegten dazu die Gelbtöne der abgeernteten Felder und vereinzelt standen dann auf den großen hügeligen Flächen Bäume und Sträucher.

Gegen 14:00 erreichten wir die private Herberge. Etwa zwei Stunden später traf Petro, ein spanischer erwachsener Pfadfinder ein. Ich hatte Ihn schon tagszuvor in der Herberge kennengelernt. Obwohl er nach eigenem Bekunden wie eine Schnecke läuft, hat er mich trotz 5 Tage späterem Start in Sevilla erreicht. Er ist mir vom ersten Augenblick an sehr sympatisch. Wir beide verstehen uns trotz schlechtem Englisch bestens und am Abend sitzen wir zu Fünft draußen vor der Herberge beim Rotwein. Leider läuft er morgen den Weg nach Astorga und wir nach Orense.

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