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Epilog

Wieder ist eine wunderbare Pilgerreise zu Ende. Wer die Einsamkeit und Ruhe liebt, wird auf diesem Weg reich beschenkt. Im August und September ist der Weg nur etwas für Pilger, die auch mit der Hitze zurechtkommen. Mir hat die Hitze glücklicherweise nicht so viel ausgemacht, geschwitzt hätte ich auch bei kühleren Temperaturen. Der Weg fordert etwas von einem ab, seien es endlos lange einsame Wege, häufig keine Menschen und Orte unterwegs, Wasser nur am Startort oder auch anstrengende Aufstiege. Als ersten Jakobsweg würde ich dieser Weg nicht empfehlen. Mir sind auch nur Pilger begegnet, die mindestens den Camino Francés gelaufen sind.

Landschaftlich fand ich die Via de la Plata herrlich, auch wenn schon die meisten Felder abgeerntet waren. Dafür gab es viele, viele Weinfelder mit wunderbaren reifen Trauben!

Diese Pilgerreise ist kaum zu Ende und schon denke ich wieder mit Sehnsucht daran unterwegs zu sein.

Rückreise nach Hause

Am frühen Morgen des 28.09.2010 fuhr ich mit dem Taxi, den Luxus habe ich mir zum Abschluss erlaubt, zum Flughafen von Santiago. Ich kam etwa 1 ½ Stunden vor Abflug an. In der Schalterhalle stand schon eine lange Warteschlange vor dem geschlossenen Schalter von Rayanair. Die meisten Wartenden waren Pilger. Bekannte Gesichter waren leider nicht dabei und trotzdem kam ich mit jungen Pilgern ins Gespräch. Diese berichteten, dass der Camino Francés auf den letzten 100 km total überlaufen war. Bereits mittags waren die Herbergen voll. Auf der Strecke vorher soll es aber nicht so voll gewesen sein.

Nach der vom Pilgerbüro herausgegebenen Statistik sind im August 60.327 und im September 36.818 Pilger in Santiago angekommen. In diesem „Heiligen Jahr“ waren doppel so viele Pilger nach Santiago unterwegs. Im nächsten Jahr wird es außerhalb der spanischen Ferienzeit sicher wieder deutlich ruhiger werden. Das nächste Heilige Jahr ist erst wieder 2021!

Der Flieger startete relativ pünktlich und landete entsprechend pünktlich auf dem Flughafen Frankfurt Hahn. Von dort ging es etwa eine ¾ Stunde später mit dem Bus weiter zum Hauptbahnhof Frankfurt. Schon kurz nach dem sich die Bustür öffnete war der Bus voll. Nicht alle Fahrgäste kamen mit. Danach ging es zügig weiter mit der Bahn und der Straßenbahn nach Hause. Bereits am Nachmittag war ich dann wieder daheim. Und am Abend ging es zum Lauftreff und zu meiner Nordic Walkinggruppe. Im Lauftreff wurde ich freudig begrüßt. Viele hatten meinen Weg über diesen Blog verfolgt.

Welche ein angenehmes Gefühl erstmals ohne Wecker wach zu werden. Es war trotzdem noch sehr früh und so packte ich schon meinen Rucksack um ihn anschliessend bis mittags bei Markus und Giovanni im Zimmer zu deponieren.

Wir gingen gegen 9:00 zum Frühstueck und dann weiter zur Kathedrale. Die Menschenschlange vor der Kathedrale kurz vor Neun war schon wieder sehr lang. Wir als Pilger kamen glücklicherweise mit dem „Credencial del Peregrino“ durch einen Nebeneingang ohne Wartezeit in die Kathedrale. Es war noch eine Messe vor der Pilgermesse. Schon während dieser Messe bekam ich einen Sitzplatz in der 2. Reihe des Querschiffes. Nach Beendigung der Messe rutschte ich bis nach links zur Gangseite der Bankreihe durch und hatte damit einen guten Überblick und eine gute Sicht für den berühmte Botafumeiro, wenn er denn heute durch das Querschiff geschwenkt werden sollte.

Unmittelbar nach Beendigung der Messe, es war erst 11:00 und die Pilgermesse beginnt um 12:00, füllte sich die Kathedrale sehr schnell. Die Menschen strömten in die Gänge und Seiten. Viele setzten sich vor den Bänken und auf dem Gang neben mir auf den Boden. Der Gang musste aber wieder geräumt werden. Es hatte sich gelohnt so früh zu kommen. Die Messe wurde vom Bischof gehalten und ich hatte tatsächlich das Glueck, das heute auch der Botafumeiro, das Weihrauchfass, geschwenkt wurde.

41.Etappe 25.09.2010

Outeiro – Santiago de Compostela
Für die letzte Etappe hatten Giovanni, Markus und ich den gemütlichen Start nach Santiago um 8:00 geplant. Entsprechend spät standen wir auf, die Kurzzeitpilger waren schon lange unterwegs. Ich hatte vollmundig schönes Wetter und Sonnenschein auf dem Platz vor der Kathedrale vorausgesagt.

Es war bewölkt und dicker Bodennebel bedeckte die Täler wie Seen.

Ein traumhafter letzter Tag für Santiago. Der Weg verlief auf Asphalt aber auch auf Waldwegen. Immer öfter sahen wir Eukalyptuswälder, ein schon vom Camino Frances vertrauter Anblick. Den Orten sah man deutlich die Nähe zu Santiago an. Vorstädte mit vornehmeren Charakter, nicht mehr so rustikal wie zuvor. Und trotzdem kamen zwischendurch noch ein paar alte Dörfer mit jede Menge Kuhfladen auf der Straße, aber auch ein vertrauter Anblick.

Beim Versuch die Gummipads meiner Stöcke in die Hosentasche zu stecken musste ich feststellen, dass meine Hose seitlich neben der Naht komplett von oben bis zur großen aufgesetzten Seitentasche vor Altersschwache aufgerissen war. Gut dass es die Tasche gab sonst hätte ich plötzlich in der Unterhose dagestanden. So gut es ging zog ich meine Jacke über den Riss und lief weiter.

Etwa 5 km vor Santiago hatten wir einige der Kurzzeitpilger erreicht. Da aber die erste geöffnete Bar auftauchte, überholten wir nicht sondern kehrten hier für einen Kaffee ein. Kurz nach dem Aufbruch wurde es zunehmend bewölkter und es zogen dunkle Regenwolken auf. Ein leichter Nieselregen setzte schließlich ein und zur Sicherheit zog ich, hoffentlich zum letzten Mal, den Poncho an. Der Spott über meine Vorhersage wurde laut, aber als ob das Anziehen des Ponchos als eine Drohung verstanden wurde, hörte es wieder auf zu regnen. Kurze Zeit später zog ich dann wieder meinen Poncho aus.

Wir hatten von Petro gehört, der tags zuvor seine letzte Etappe mit ca. 40 km  bis nach Santiago absolviert hatte, das es in Santiago sehr knapp mit Zimmern sei und sich die Massen durch die Straßen wälzten. Daher hielten  wir bereits kurz vor der Altstadt nach einem Hostal Ausschau. Wir hatten Glück und fanden dann auch bald etwas. Ich musste für mein Zimmer 40 EUR bezahlen, ein stolzer Preis, aber für eine Nacht zur Sicherheit akzeptabel. Markus und Giovanni nahmen ein Zweibettzimmer im gleichen Hostal. Dann ging es gleich weiter ohne Rucksack aber mit kaputter Hose zur Kathedrale.

Schon in den Straßen vor der Kathedrale wurde es eng, Massen von Touristen gemischt mit vielen, vielen Pilgern drängte sich Richtung Kathedrale. Wir verloren uns aus den Augen und ich war erschlagen von dem Trubel auf dem Platz. Irgendwie verloren kam ich mir vor.

Natürlich gab es hier auch Pilger, aber die gingen in der Masse von Touristen unter. Ein Freudengefühl wie letztes Jahr kam nicht bei mir auf. Glücklicherweise tauchten dann auch Giovanni, Markus, Carlos und Petro nacheinander auf. Jetzt wurde es ein bisschen erträglicher. Wir machten Fotos und ließen von Fremden Fotos von uns machen. Um 11:30 hatten wir die letzte Etappe mit 16,4 km abgeschlossen.  Der vorher gesagte Sonnenschein am Platz war da!

Es war schön angekommen zu sein, aber es war irgendwie anders. Ob es jetzt die vielen Touristen und Pilger waren oder ob es das zweite Mal ankommen in Santiago war, ich weiß es nicht. Auch den Anderen erging es ähnlich. Auf dem Camino Frances muss es unvorstellbar voll gewesen sein. Trotz der Kurzzeitpilger war es bei uns doch unvergleichlich ruhiger.

Wir vereinbarten mit Carlos und Petro für 14:00 ein Treffen zum Mittagessen und zogen wieder Richtung Hostal. Auf einem kleinen Platz in einer Seitenstraße zur Kathedrale tranken wir noch ein Bier.

Dann ging es zurück zum Duschen und Kleidung wechseln. Unterwegs kamen wir am Pilgerbuero vorbei und sahen eine riesige Schlange von Pilgern schon weit draußen vor dem Gebäude anstehen. Auch war die Schlange an Menschen für den Eintritt in die Kathedrale unvergleichlich lang, es müssen Stunden sein, bis die Menschen die Kathedrale betreten können.

Frisch geduscht mit heiler Hose starteten ich kurz vor 14:00 wieder zum Treffpunkt Kathedrale. Die Kleidung wurde erstmals nicht gewaschen!

Nach dem Essen gingen wir testweise zum Pilgerbüro. Es gab eine Schlange, aber nicht mehr so lang wie mittags und so stellten wir uns an. Bis wir die Compostela in Händen halten konnten, dauerte es doch noch 1 ¼ Stunde. Es wurde ein weiteres Treffen für abends auch mit Conni, Niki und Lisa vereinbart.

Für Petro, Carlos, Conni, Niki und Lisa hieß es am Abend Abschied nehmen. Petro und Carlos reisen am nächsten Tag nach Hause und die drei Frauen laufen weiter nach Muxia. Anders als geplant müssen Sie aber am 28.09. abends wieder zurück nach Santiago. Für den 29.09. ist ein großer Streik angesagt.

Das Abendessen mit allen war noch sehr schön und wieder einmal trennen sich liebgewonnene Pilgerbekanntschaften. Wir werden aber in Kontakt bleiben und noch Fotos austauschen. Die Frauen gingen früher zum Hostal zurück und wir fünf Männer machten Santiago noch etwas unsicher und besuchten weitere Bars. Bis spät in die Nacht findet man hier in jeder Straße kleinere Bars mit vielen jungen Menschen. Santiago ist auch eine beliebte Universitätsstadt mit ca. 30.000 Studenten.

Auf unserem Rückweg kamen wir am Rathaus gegenüber der Kathedrale vorbei. Hier spielte eine Gruppe Musiker unter den Arkaden Volkslieder und wir mischten uns für einige Zeit unter die Zuschauer. Ein schöner Abschluss für diesen Tag.

40.Etappe 24.09.2010

Silleda – Outerio
Noch vor Aufstehenszeit hörte ich den Regen auf den Schulhof prasseln. Der Tag begann zum zweiten Mal auf dieser Pilgerreise sehr bescheiden. Meine Mitbewohner im Zimmer kamen auch nicht hoch und so blieben wir in den Betten. Um 7:30 kam dann endlich Bewegung in den Raum. Gegen 8:00 starteten wir, d.h. Markus, Giovanni und ich. Wir hatten entschieden uns, auf der Straße nach meinem Navi zu laufen. In Bandeira kreuzte die Straße und der Camino sich wieder.

So vollkommen beherrsche ich mein Navi leider noch nicht! In der Regel liegt das Ziel oben oder links auf der Karte im Display, nur jetzt war es leider umgekehrt und ist mir nicht aufgefallen. Wir stapften im Regen zunächst im Ort in die falsche Richtung. Glücklicherweise erkannte Giovanni den Fehler rechtzeitig und wir drehten nach ca. 300 Meter um.

Es war wie an den Tagen zuvor ein auf und ab, nur nicht mehr so heftig. Um uns herum immer noch die Ausläufer der Berge. Gegen 9:30 hörte der Regen endlich auf, aber die Wolken verhießen noch nichts Gutes und so lief ich weiter mit dem Poncho. Die erste geöffnete Bar steuerten wir mit Freuden an. Der Cafe con Leche, Grande tut bei einem solchen Wetter gut.

Gegen Mittag endlich tauchte die Sonne auf und wenn sie aus den Wolken etwas länger hervorkam wurde es richtig schön warm. Der Poncho und die Jacke konnten wieder in den Rucksack verstaut werden. Hemd und Hose waren inzwischen schweißnass und doch läuft es sich so besser.

Irgendwann tauchte das erste Caminoschild auf, auf dem die Entfernung bis Santiago mit 18 km angegeben war. Wenn nicht die Unterkunftsmöglichkeiten z. Zt. in Santiago so schlecht wären – es findet gerade ein Kongreß dort statt und die vielen Touristen und Pilger – wären wir durchgelaufen.

Um 14:30 hatten wir die recht neue am Camino liegende Herberge erreicht. Zuvor hatte ich zur Sicherheit wieder den Poncho anziehen müssen und das letzte Stück wurde dann noch einmal anstrengend. Zum Abendessen müssen wir ca. 1 km laufen, die Herberge liegt vollkommen abseits.

Schon ein merkwürdiges Gefühl das morgen alles zu Ende ist. Anders als letztes Jahr bin ich irgendwie froh es geschafft zu haben. Jetzt fehlt noch schönes Wetter für morgen und ein Zimmer in einem Hostal. Wir werden erst um 8:00 starten und gemütlich nach Santiago laufen.

39.Etappe 23.09.2010

Castro Dozon – Lalin-Bendorio-Laxe – Silleda
Die Nacht war kurz. Erst kamen Radpilger sehr spät an und störten um 22:45 die Nachtruhe, dann waren die Schnarcher verteilt über beide Schlafräume im Konzert. Um 2:30 schließlich fingen zwei der Partypilger vor den Schlafräumen an zu singen. Sie waren wohl in einer Bar versackt.

Mit Verspätung aber noch im Dunkeln starteten Giovanni und ich schließlich. Erst ging es für einige Kilometer am Randstreifen der Nationalstraße entlang. Bei Dunkelheit nimmt man gerne den Asphalt in Kauf soweit nicht viel Verkehr ist, zum Ende einer Etappe wird der Asphalt aber häufig zur Qual.

Danach ging es auf schönen Wegen durch Wälder und kleine Dörfer. Teilweise gab es uralte Hohlwege und auch wieder altes Steinpflaster, aber auch Wege beiderseits gesäumt von sehr alten Laubbäumen.

Ursprünglich wollte ich nur bis Lalin-Bendorio-Laxe laufen, da es aber inzwischen auch eine Herberge im 10 km weiter liegenden Ort Silleda gibt, hatten wir beschlossen weiter zu laufen. Conni, Niki, Lisa, Markus, Giovanni, Carlos und ich hatten abends zuvor Silleda vereinbart. Damit wurden es heute statt 19 km 29 km und morgen dafür aber nur 25 statt 35 km. Eine angenehmere Aufteilung und besseren Abschluß der Pilgerreise.

Markus, Giovanni und ich erreichten die Herberge um 14:30 und hatten nach Abzug der Pausen eine durchschnittliche Geschwindigkeit von fast 6 km/h. Der Weg zur Herberge war gut markiert, nur standen wir auf der Rückseite eines großen Gebäudes vor einer großen Blechwand mit Tür, danach ging es durch kleinen Hof zu einem Tor. Wir hörten viele Kinderstimmen und standen dann auf einem Schul- und Kindergarten-Hof mit vielen spielenden kleinen Kindern. Leicht irritiert suchten wir den Eingang der Herberge. Die erste Tür war es dann auch.

Die Tür war nicht verschlossen und so gingen wir rein. Einen Schlafsaal gibt es hier nicht. Es sind viele kleine Räume für 2 – 4 Personen und einen Raum für 10 Personen. Wir breiteten uns zunächst im Aufenthaltsraum aus und gingen duschen und Wäsche waschen. Danach belegten Markus, Giovanni, Carlos (war inzwischen auch angekommen) und ich ein Zimmer mit zwei Doppelstockbetten. Später gingen wir mit den drei Frauen zum Essen.

Zu aller Überraschung waren die drei jungen humpelnden spanischen Pilger auch eingetroffen. Sie erzählten den drei Frauen, dass Sie eigentlich einen Kurzurlaub auf Ibiza machen wollten und sich dann für den Camino entschieden haben. Montag müssen Sie wieder arbeiten. Der heutige Tag war sehr hart für sie.

Später jedoch erzählte Markus mir, dass er die Drei bei unserem Eintreffen bei der Suche eines Zimmers bereits in einem Raum angetroffen hatte, Sie also unmöglich gelaufen sein konnten, denn überholten hatten Sie uns nicht.

38.Etappe 22.09.2010

Cea – Oseira – Castro Dozon
Ein Kurzzeitpilger war erst abends gegen 19:00 angekommen und wohl so fertig, dass er sich sofort hingelegt hatte. Ohne Schlafsack und ohne die bereitliegende Decke lag er nur mit Unterhose bekleidet auf dem Bett. Nachts hielt ich sein Schnarchen nicht mehr aus und trat vorsichtig an seine Matratze. Es wirkt und er wurde still bzw. leiser. Kurze Zeit später wurde es Ihm wohl doch zu kühl und er rollte sich komplett in eine Decke ein.

Um 7:00 ging automatisch das Licht an. Der Aufbruch mit Giovanni ging danach flott. Mein Schnarcher schnarchte, wenn auch leiser, immer noch vor sich hin und ließ sich von den Aktivitäten im Raum nicht stören.

Ich hatte mit Giovanni die längere Alternativroute zum Kloster Santa Maria Oseira gewählt. Zunächst verlief der Weg auf Sand und war in der Dunkelheit ideal zu laufen. Später wurde es wieder steinig, auch gab es wieder einen Abschnitt auf mittelalterlichem Pflaster. Einige steile Stellen auf und ab machte die Etappe ein bisschen anspruchsvoller.

Schon bevor wir das Kloster einsam im grünen Tal sehen konnten, vernahmen wir das Glockenspiel für 9:00. Beim Kloster angekommen besuchten wir zunächst die erste geöffnete Bar an der Straße. An der Decke in der Bar hingen verführerisch geräucherte Würste. Diesem Duft konnte ich nicht lange stand halten und bestellte gleich vier Würste. Sie rochen nicht nur gut, sie schmeckten auch vorzüglich und drei fiele gleich meinem Appetit zum Opfer.

Nach und nach trafen weitere Pilger ein. Ruth, Gerhard (Pilgerpaar aus Jena), Giovanni und ich nahmen um 10:00 an einer Klosterführung teil. Das Kloster stammt aus dem 12.Jh und gehört dem Zisterzienserorden. 1835 verließen die Mönche das Kloster aufgrund der staatlich angeordneten Auflösung. Plünderung und Verfall waren die Folge. Erst 1929 begann eine kleine Gruppe von Zisterziensermönchen mit dem Wiederaufbau. Der Wiederaufbau erfolgte ohne Architekten was man z.B. an der unterschiedlichen Bogenbreite an eine Stelle sehen konnte. Bei einer Gewölbedecke wurde mangels Granitbklöcke, Blöcke des Friedhofs verwendet. Man sieht noch die Inschriften.

Nach der Führung ging es noch ca. 11 km weiter zum Zielort. Da viele Pilger die kürzere Variante gewählt hatten, waren die unteren Betten fast alle belegt. Wir fanden glücklicherweise aber noch zwei freie untere Betten.

Zu meinem Schrecken traf inzwischen auch mein Schnarcher ein und quartierte sich bei uns ein. Gute Nacht!

37.Etappe 21.09.2010

Ourense – Cea
Schon früh morgens war Hochbetrieb im Aufenthaltsraum. Neben den Pilgern, die bereits eine längere Strecke unterwegs waren, mischten sich 7 Spaß- und Partypilger.

Mit Conni, Niki und Lisa ging es zum Frühstück in die nahe gelegene Bar. Sie hatte bereits ab 6:15 geöffnete. Anschließend liefen wir mit GPS-Unterstützung durch die Altstadt zur alten Römerbrücke. Hier trafen wir Markus.

Gemeinsam ging es einige Zeit auf dem Bürgersteig an einer stark befahrenen Nationalstraße entlang. Dann begann der schweißtreibenden Aufstieg, fast schnurgerade auf einer kleinen Straße mit 19% Steigung. Insgesamt 400 Höhenmeter hoch. Die Autofahrer rasen nur so an uns vorbei. Kurz vor dem höchsten Punkt hatten Markus und ich einen weiteren Pilger eingehot. Oben angekommen musste ich anhalten und meine Jacke ausziehen. Der Pilger kam auf mich zu und wir kamen ins Gespräch. Er ist Spanierer mittleren Alters und hat nur 6 Tage Urlaub. Er hatte in einem Hostal in Ourense übernachtet und ist heute auf der ersten Etappe nach Santiago unterwegs.

Wir laufen einige Zeit zusammen doch dann kann er das Tempo nicht mehr halten. Es geht durch eine wild romatische Wald- und Felslandschaft. Manchmal verengt sich der Weg beiderseits durch hochwuchernde Büsche. Das Wetter ist wieder herrlich, blauer Himmel und knapp um die 30° C.

Auch verläuft der Weg stellenweise auf einem mittelalterlichen Pflaster. Nur gut zu laufen ist das leider nicht.

Etwa 2 km vor dem Ziel stoße ich auf eine Bar und halte für eine Cola und ein Wasser an. Ich will gerade wieder los als der spanische Pilger ankommt, seinen Rucksack hinschmeist, sich ein Bier bestellt und in kürstester Zeit trinkt. Er ist schon ziemlich fertig und will morgen eine Etappe über 30 km hinlegen. Wir starten gemeinsam, nur lange kann er nicht mithalten. Dabei laufe ich garnicht mehr so schnell.

Die Herberge liegt mitten in einem netten kleinen Ort und ist in einem altem, renovierten Gebäude untergebracht.

  Markus und Giovanni sind schon da. Als ich zur Dusche laufe trifft auch mein spanischer Pilger ein. Weitere Pilger folgen in den nächsten 3 Stunde. Ein Spaßpilgerpärchen, ich hatte sie morgens an der Römerbrücke vor uns gesehen, trifft 5 Stunden später ein. Sie duschen nicht sofort sondern legen sich erstmals zum Schlafen hin.

Mit dem holländischen und mit dem deutschen Paar aus Jena komme ich im Aufenthaltsraum länger ins Gespräch. Nun werde ich mich noch auf der Terrasse zu Conni, Niki und Lisa setzen. Zuvor wird aber noch der Rucksack für morgen gepackt.

36.Etappe 20.09.2010

Xunqueira de Ambia – Ourense
In der Nacht tut es im dem Nebenraum einen lauten Schlag. Jemand war wohl aus dem unteren Bett gefallenen. Mein Bettnachbar, ein junger Spanier, rollt einen Moment später auch gefährlich an den Rand und schaffte es gerade noch sich abzufangen.

Es war noch nicht Weckzeit und ich hatte das dringende Bedürfnis zur Toilette zu gehen. Im Waschraum finde ich Jose. Um sich rum Rucksack und verschiedene Teile am Boden. Ich rieb mir vor Erstaunen die Augen, Jose stand sonst immer deutlich später als ich auf. Er meinte, heute gibt es in der Herberge in Ourense Andrang. Es ist die letzte Möglichkeit auf dem Camino einzusteigen um noch die Compostela zu erhalten. Ich ließ mich von der Hektik anstecken und holte auch alle Sachen aus dem Schlafsaal. Ohne Kaffee startete ich dann um 6:30 getrieben von der Hektik. Viele junge Spanier wollen sich nicht mehr quälen. Sie wollen aber die Compostela, also wird nur das kürzest mögliche Stück gelaufen.

Der Weg im Dunkeln führte zunächst durch Wald und Feld. Es war sehr schlecht zu laufen und ständig bestand die Gefahr auf einem Stein oder bei einer Unebenheit umzuknicken. Nach etwa 1,5 km kam endlich die Landstraße. Ich spulte nun Kilometer für Kilometer ab und fühlte mich wieder richtig gut. Irgendwann sah ich in der Ferne einen Pilger. Mein Jagdtrieb war geweckt. Meine Nordic Walkinggruppe kennen das, taucht eine Jogginggruppe vor uns auf, wird mein Schritt unweigerlich schneller. Ich bekomme dann den Tunnelblick und habe nur noch das Ziel, die Jogginggruppe, vor Augen. So war es jetzt auch wieder. Es dauerte aber noch lange Zeit bis ich Jose erreichte und er mich an meinem klac, klac… erkannte. Er drehte sich um und rief mir „Walkingmachine“ zu. Das spanische Paar, das immer um 6:00 startet, überholte ich kurze Zeit später auch noch. Ich behielt mein Tempo bei und enfernte mich schnell von allen.

Auf die Landschaft brauchte ich heute nicht achten. Es gibt nichts berichtenswertes. Auf Aspalt geht es von Ort zu Ort bis wieder einmal der unansehnliche Vorstadtbereich mit Industrie- und Gewerbegebiet einer Stadt beginnt. Hier laufe ich an einer kleinen Bäckerei vorbei und es riecht verlockend. Ich lasse mich von dem Duft verführen und betrete sie. Mit einem Gebäck und mit einer Cola lasse ich mich an dem einzigen Tisch mit zwei Stühle nieder. Die Frau packt mir unerwartet zwei Brötchen ein und schenkt sie mir. Nach einem zweiten Gebäck packt Sie mir zwei weitere Stücke, es waren große gefüllte Brötchen, ein. Ich sah wohl ziemlich bemitleidenswert oder hungrig aus. Es ist eine schöne Geste die mich sehr gefreut hat.

Mit Jose laufe ich in Ourence ein. Wir kommen um 11:25 an und finden die Herberge verschlossen vor.

Erst um 12:30 öffnet sie wieder. Kurze Zeit später trifft das spanische Paar ein. Es folgt ein holländisches Paar, das aus Zeitgründen ein Stück mit der Bahn gefahren ist. Dann folgen Giovanni und zwei Radpilger.

Pünklich wird die Herberge geöffnet. Nach Stempel und 5 EUR Gebühr geht es mit dem Hospitalero zu den zwei Schlafräumen. Ich wähle spontan den ersten Raum aus. Später stelle ich fest, das der Blick von meinem Fenster aus auf eine letzte Ruhstätte gerichtet ist. Wenn das nicht spontane Eingebung bei mir war! Giovanni hatte es sofort gesehen und ist sofort wieder raus und hat sich im anderen Raum einquartiert.

Mit zwei anderen Pilgern nutze ich die Waschmaschine und später auch den Trockner. Zwischenzeitlich treffen drei junge spanische Fußpilger ein, sie haben bereits die letzte lange Etappe hinter sich. Sie kommen hintereinander humpelnd in die Herberge. Ich kann mir das Lachen nicht verkneifen, aber Sie haben wenigstens Humor und lachen mit. Nicht viel später kommen drei weitere junge Spanier (Fußpilger) an. Einer der Dreien mit weißer kurzer Hose, alle mit weißen Sportschuhen und kleinem Freizeitrucksack. Sie sind gekleidet als ob es zu einer Verknügungsreise geht. Einer mit toller Sonnenrille und gestylter Frisur. Drei „Spaß- oder Partypilger“! Mal sehen wie Sie morgen Abend ausschauen. Es wird wieder eine anstrengende Etappe.

Mit Conni, Niki und Lisa gehe ich Nachmittags zum Essen. Markus kommt kurz in die Herberge und wird morgen wieder mitlaufen, auch Petro taucht abends noch auf.

35.Etappe 19.09.2010

Laza – Vilar de Barrio – Xunqueira de Ambia
Obwohl ich heute wieder früh aufgestanden war, dauerte das verarzten der Blase, endlich mal wieder die Schuhe einwachsen und das Frühstück länger als geplant. Beim Zivilschutz musste ich den Schlüssel wieder abgeben und konnte an einer Anzeige einer Apotheke sehen, dass es bereits 7:30 und es nur 7° C waren.

Es dauerte nicht lange nach meinem Start und ich hielt wieder an und zog zusätzlich zur Jacke noch meinen Pullover darunter. Dank der richtigen Handtechnik beim Nordic Walking (Hand öffnen u. schließen) waren meine Hände bald warm.

Es lag wieder Morgennebel über der Landschaft. Die aufgehende Sonne tauchte Teile des Nebelschleiers in rötliches Licht. Ich hielt immer wieder an und fotografierte bis zum Sonnenaufgang.

Um 9:00 erklang plötzlich völlig klar und ohne störenden Nebengeräusche eine Melodie durch Kirchenglocken. Jose, er hatte mich gerade eingeholt, und ich blieben ergriffen stehen und lauschten den Klängen. Das Kirchlein konnten wir im Nebel leider nicht erkennen.

Kurz danach begann der schwierigste Teil der heutigen 34 km – Etappe. Im Dorf Tamicelas begann der Weg steil anzusteigen. Teilweise ging es über felsige Abschnitte insgesamt 500 Höhenmeter nach oben. Der Blick zurück belohnte aber die Schinderei. Oben angekommen gab es ein Stück Landstraße nach Albergaria und dort musste ich zu einer „Kult“- Bar des Weges. In der Bar hingen tausende von Pilgern beschriftete Jakobsmuschel an der Decke oder waren an den Wänden befestigt. Jose und ich beschriften auch eine Muschel mit unserm Namen und dem heutigen Datum. Unsere Muschel wurde an einem Balken am Tresen befestigt. Giovanni machte von uns und der Muschel ein Erinnerungsfoto.

Es folgten steile Abstiege und weitere Aufstiege (insgesamt 780 Höhenmeter). Gegen 16:30 erreichte ich die Herberge und zu meiner Überraschung traf ich hier wieder auf Conni, Niki und Lisa.

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