2.Etappe 15.08.2010

Guillena – Castilblanco de los Arroyos
Nach dem Aufstehen musste ich eine Blase am rechten Fußballen beim großen Zehn festellen und behandeln. Beim Auftreten schmerzte es, der 2. Tag bekann bescheiden. Erst um 6:30 schaffte ich es zu starten. Es war immer noch dunkel. Der Weg führte zunächst durch den Ort und danach auf der Landstraße weiter. Der Randstreifen war schmal. Glücklicherweise waren um diese Zeit nur wenige unterwegs. Nach ca. 1,5 km ging es links in ein Gewerbegebiet mit Wächterhäuschen und Schranke. Etwas irritierend, aber nach der Wegemarkierung und meinem Navi ganz eindeutig. Der Wachmann nahm keine Notiz von mir. Nur kurz führte der Weg durch das Gewerbegebiet, dann betrat ich endlich wieder pure Natur. Konnte schon nach kurzer Zeit die herrlichen Kaktusfrüchte genießen. Einziger Wehrmutsopfen, aber gerne in Kauf genommen, einigen kleine Stacheln in meiner Hand.

Zu beiden Seiten des Weges Olivenhaine. Viel Vogelgezwitscher und für kurze Zeit die Geräusche einer Wasserpumpe. Irgenwann betrat ich Privatgelände. Hier fand ich dann einen großen Stein mit Platz für mich und meinem Rucksack. Der Boden war bedeckt mit pulvisierter Erde und zum Sitzen ungeeignet. Meine Frühstückspause war nach 2 Stunden fällig. Zum Start setzte ich meinen ungeliebten Hut auf, nicht wegen der Sonne, sondern wegen der Fliegen, die hatten meinen Kopf als Landeplatz entdeckt und ärger ten mich schon geraumer Zeit. Dann ging es wieder weiter. Nach einem zweiten, offenen Tor änderte sich die Landschaft schlagartig. Keine Olivenbäume bestimmten mehr die Landschaft sondern Korkeichen.

Der gestrige vierte Pilger holte mich ein. Aufgrund der vielen Fußspuren dachte ich die anderen Pilger wären alle vor mir. Wie sich herausstelle waren sie hinter mir. Wir gingen ein Stück zusammen. Markus war ebenfalls Schweizer. Wieder passte es, letztes Jahr traf ich zuerst Markus aus der Schweiz und kurz danach das schweizer Ehepaar, nun umgekehrt.

Nach kurzer Zeit entdeckte ich ein schönes Plätzchen zum Rasten. Meine Füße brauchten frische Luft und Erholung! Wir verabschiedeten uns, wussten aber, wir sehen uns in der einzigen Herberge wieder.

Der nach meiner Pause beginnende Weg war sehr uneben und steinig. Aus Unachtsamkeit knickte ich um, konnte mich aber gerade noch einigermaßen fangen. Meine innere Stimme sagte mir nach so einem besch… Tagesanfang: „Lauf langsamer und gewöhnen Dich wieder an das Laufen mit Rucksack, sonst ist es vorbei bevor es richtig begonnen hat“! Der Weg ging leider sehr steinig und uneben bis zur Landstraße weiter. Mein Tempo war nun deutlich gedrosselt. Fußballen und Sprunggelenk schmerzten. Nach einiger Zeit bog ein Privatweg rechts von der Straße ab, ich lief ein Stück hinein und fand ein schattiges Plätzchen wieder zum Rasten. Die Temperatur stieg ab ca 10:00 wieder deutlich, ist aber höchsten um die 35° C. Ab der Landstraße lief rechts daneben ein kleiner Trampelpfad. Auf der Straße wäre es bei dem inzwischen einsetzenden Verkehr sehr gefährlich. Nach ca. 4 km war der Ort und kurz danach die Pilgerunterkunft erreicht. Ein Fahrzeug wollte gerade abfahren, hielt aber doch an und der Inhaber stieg aus und ließ mich rein. Glück gehabt, wenigstens 1x heute!

Inzwischen sind wir 6 deutsch sprechende Pilger. Drei Schweizer, ein aus Polen stammendes Pärchen und ich.

Die Herberge ist einfach. Das Zimmer mit 9 Doppelstockbetten liegt in der 1. Etage und hat vom Zimmer aus eine große begehbare Terasse. Viel Platz für Wäsche. Die war nach ca. 15 Minuten trocken. Zwei WC mit Dusche und jeweils im Vorraum ein Waschbecken. Nicht ganz sauber, aber als Pilger ist man genügsam und übersieht so etwas.

Der zweite Tag mit knapp 18 km war nicht mein Tag, aber wenigstens mit einem guten Ende. Es kann nun nur noch besser werden.

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Eine Antwort zu 2.Etappe 15.08.2010

  1. Werner Mucha sagt:

    Sonntag, 15.08
    Hallo Werner,
    habe gerade zu Abend gegessen. Nun sitze ich mit einem Glas Wein am Schreibtisch und lese genüsslich deine Blog’s. Heute haben wir in Darmstadt Dauerregen, bei milden 20°C. Ich muss mich noch entscheiden, ob ich dich beneiden oder bedauern soll. Mit großem Interesse verfolge ich deinen Camino 2010. Ich denke dass es eine große Herausforderung ist, quer durch das heiße spanische Landesinnere zu laufen. Aber du wirst es schon schaffen. Die technischen Voraussetzungen hast du bestimmt erfüllt. Jetzt müssen nur Wille und Körper mitmachen. Ich wünsche dir eine gute Zeit.
    Bis auf bald, Werner

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