01.Etappe 14.08.2010

Sevilla – Guillena
Um 5:00 Uhr ist die Nachruhe vorbei. Im Nachbarzimmer (Dreibett-Zimmer) unterhalten sich junge Spanierinnen recht laut. Sie sind wahrscheinlich erst zurück gekommen. Aufstehen will ich aber noch nicht, also lese ich. Um 5:30 stehe dann aber doch auf. Das Meiste habe ich abends zuvor schon gepackt und so kann ich wie geplant das Hostel um 6:00 verlassen. Zuvor muss ich aber die Nachtschicht des Hostels wecken. Der Morgen empfängt mich dunkel und angenehm kühl. Der Weg zur Kathedrale ist mir bereits vertraut. Erst dort schalten ich mein Navi ein. Eine Wegemarkierung in Form von gelben Pfeilen oder Muscheln finde ich nicht, habe im Vertrauen des Navis aber auch nicht wirklich gesucht. Zunächst geht es am Fluß Guadaquivir entlang. Es begegnen mir einige junge Nachschwärmer. An der Brücke Isabell II finde ich einen geöffneten Kiosk. Hier entschließen ich mich zu einem kleinen Frühstück mit Cafe con Leche und ein Rellenos de Chocolate (?). Der Kioskinhaber stuft mich gleich als Jakobspilger ein. Schon strömt mir die große Freundlichkeit der Spanier gegenüber Pilgern wieder entgegen. Ich beobachte beim zweiten Kaffee die jungen gestenreichen Spanier und plötzlich entdecke ich auf der anderen Straßenseite ein Pilgerpaar. Wir grüßen uns kurz und dann sind Sie auch schon vorbei. Nachdem ich meinen Kaffee getrunken habe, starte ich wieder. Es dauert nicht lange und ich habe sie in Sichtweite. Sie scheinen etwas unsicher mit dem Weg zu sein, als sie mich aber sehen laufen Sie weiter. Schnell habe ich sie eingeholt. Wie ein gutes Omen, schon wieder begegnet mir zu Beginn meines Caminos ein schweizer Ehepaar. Für Susi und Joschen (abgeleitet aus dem jap. Namen: Yoshi) ist es auch der 2. Camino. Ihren ersten Camino starteten sie 2006 von zu Hause aus. Wieder stimmt die Chemie zwischen uns. Wir haben viel gemeinsames zu erzählen.

In Santiponce machen wir eine kurze Pause. Leider verpassen wir in Italica, ehemals eine bedeutende Römerstadt, das Amphitheater. Keiner von uns hat ein Hinweisschild gesehen. Unser weiterer Weg ist sehr kurzweilig. Die Temperatur steigt, ist aber nicht so hoch wie tags zuvor. In Guillena sehe ich dann später auf einer Anzeige 35° C. Ich schwitze wieder extrem. Aus allen Poren strömen Bäche von Schweiß. Mein kleines jap. Schweißtuch kann ich auswringen als ob ich es gerade zuvor gewaschen hätte. Die mit 1 Meter Wasserstand angekündigte Fuhrt entpuppt sich als kleine Pfütze, die wir problemlos trockenen Fußes begehen können.

Gegen 12:00 machen wir an einem etwas schattigen Platz eine Rast. Hier überholt uns ein Pilger. Nun sind wir schon vier Pilger auf der Via de la Plata. Unser Weg führt uns schattenlos an abgeernteten Weizenfeldern oder vertrockneten Sonnenblumenfeldern vorbei. Irgenwann erreichen wir einen kleinen Bach. Joschen und ich springen rüber, Susi traut sich aber nicht. Wie so oft auf dem Camino naht Rettung durch einen Bauern mit Traktor, der Susi mit rüber fährt. Schon bald danach sehen wir in der Ferne Guillena . Nich lange später erreichen wir einen übel riechenden Bach, Susi will einen Übergang gesehen haben, auch im Führer gibt es einen Hinweis dazu. Mein Navi sagt aber weiter am Bach entlang. Susi traut der Technik nicht und so trennen sich hier unsere Wege. Nach vielleicht 10 Minuten erreiche ich die Ortseingangstraße. Muss hier nur eine kleine Böschung hoch klettern und ein Mäuerchen übersteigen. Um 13:20 habe ich mein Ziel erreicht und finde auch sehr schnell das im Internet und im Füher beschriebene Hostel Frances. In der Bar fließt mir wieder der Schweiß zur Belustigung eines älteren Spaniers in Strömen. Das Zimmer kostet 21 € und ist zu meiner Überraschung groß, hat Klimaanlage, TV, WC und Bad. Jetzt folgt wieder das nun tägliche Ritual: „Klamotten aus, etwas ausruhen, dann duschen, Kleidung waschen und einen Bericht für meinen Blog schreiben“.

Mein Navi zeigt mir heute 26 gelaufene Kilometer und meine Uhr 3600 verbrannte KCal. Das Knie zeigt keine Probleme, meine Kondition ist trotz 10 Wochen Pause gut, nur meine Füße schmerzen und auch im Brust-Schulterbereich schmerzt es etwas. Ich muss mich wieder an den Rucksack gewöhnen. Nur der Schweiß trübt etwas meine Stimmung, meine schweißnasse Hose sieht aus als ob ich „undicht“ bin. Insgesamt aber fühle ich mich gut und fange wieder an den Camino zu genießen.

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2 Antworten zu 01.Etappe 14.08.2010

  1. Geertje sagt:

    Liebe Werner,

    Deine Camino hat angefangen.
    Es ist schoen ueber dein Blog deine Reise mit zu erleben.
    Gut zu hoeren das du wieder den camino geniessen kannst, trotz der Hitze.
    Werner macht’s gut und bis wiederhoeren.

    Geertje

  2. Jens Bormann sagt:

    Lieber Werner,

    mit Freude lese ich, dass Dein Knie hält und dass Du wieder mit Begeisterung auf dem Weg bist! Herzlichen Dank für Deine aktuellen Etappenberichte – so hat man das Gefühl, als wäre man bei Dir auf der Strecke im heißen Spanien!
    Alles Gute für Dich und bis in ca. einer Woche. 🙂

    Liebe Grüße von
    Jens

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