{"id":188,"date":"2010-08-23T17:54:16","date_gmt":"2010-08-23T16:54:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bachw.de\/blog\/?p=188"},"modified":"2010-09-05T14:33:48","modified_gmt":"2010-09-05T13:33:48","slug":"9-etappe-22-08-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bachw.de\/blog\/?p=188","title":{"rendered":"9.Etappe 22.08.2010"},"content":{"rendered":"<p><strong>Villafranca de los Barros &#8211; Torremegia<\/strong><br \/>\nHabe wieder verschlafen, aber wahrscheinlich brauche ich den Schlaf. Ohne Fr\u00fchst\u00fcck starte ich um 8:15. Der Ortsrand ist schnell erreicht. Hier kommt mir ein alter Mann entgegen und erkl\u00e4rt mir gestenreich etwas \u00fcber den Camino. Ich verstehe nichts, bedanke mich und gehe meines Weg. Der Weg f\u00fchrt auf einer Schotterpiste durch Weinfelder und vereinzelt an Geb\u00e4uden vorbei. Durch mein &#8222;klac, klac&#8230;&#8220; der St\u00f6cke werde ich von Hundegebell begleitet. Gut das die Hunde hinter einer Umz\u00e4unung sind!<\/p>\n<p>Kurz vor einer Weggabelung, der Camino f\u00fchrt eindeutig rechts weiter, erreicht mich der Alte auf einem noch \u00e4lteren Motorrad. Er erkl\u00e4rt mir, dass ich unbedingt geradeaus auf dem Feldweg gehen soll. Dann f\u00e4hrt er wieder weiter, auch auf diesem Feldweg. Der Weg f\u00fchrt auf rotem Lehmboden durch die Weinfelder. Es l\u00e4uft sich viel besser auf diesem Boden, sicher nicht geeignet bei N\u00e4sse und Regen. Schon bald bin ich total eingetaucht in den Weinfelder so weit das Auge reicht. Der Verf\u00fchrung der blauen Trauben kann ich nicht lange wiederstehen und genie\u00dfe die Trauben. Leider, leider r\u00e4cht sich das einige Zeit sp\u00e4ter. So ist das, wenn man von verbotenen Fr\u00fcchten nascht! Irgenwann sp\u00e4ter sehe ich das Motorrad und der alte Mann kommt aus einem Weinfeld. Er ist sichtlich erfreut, dass ich seinem Rat gefolgt bin. Er zeigt mir stolz sein Weinfeld. Es beginnt wieder eine etwas einseitige Unterhaltung aus der ich aber sein Alter von 74 verstehe und das er zu alt f\u00fcr den Camino w\u00e4re. Er hat Respekt vor dem Pilgern bei dieser Hitze. Dann verabschiede ich mich von Ihm. Er w\u00fcnscht mir noch ein &#8222;Boen Camino&#8220; und schon bin ich wieder alleine. Bald ist der sch\u00f6ne Weg vorbei und m\u00fcndet nach rechts auf einer Piste. Es dauert wieder einige Zeit bis diese Piste in den ausgewiesenen Camino \u00fcbergeht. Bei einer Br\u00fccke \u00fcber einen Bew\u00e4sserungskanal mache ich meiine erste l\u00e4ngere Paus. Die seitliche Mauer ist breit genug um ein Nickerchen zu machen. Dann geht es wieder weiter und schon f\u00fchrt der Weg schnurgerade bis zum Horizont. Dahinter nur noch eine undeutlich erkennbare Bergkette. Es dauert nicht mehr lange und das monotone &#8222;klac, klac&#8230;&#8220; l\u00e4\u00dft die Gedanken schweifen. Man denkt \u00fcber Gott und die Welt nach, besch\u00e4ftigt sich mit Begebenheiten der Vergangenheit, denkt an die Zukunft und an Probleme. Man hat endlos Zeit zum Gr\u00fcbeln. Ich glaube aber Probleme l\u00f6st man nicht auf den Camino, aber man betrachtet Dinge von vielen Seiten und manches wird klarer. Ich setze mir Ziele, wenn ich den n\u00e4chsten H\u00fcgel erreicht habe kannst Du wieder was trinken. Man muss mit dem Wasser haushalten, denn es gibt auf der Gesamtstrecke von knapp 28 km keine Stelle um Waser nachzutanken! Pl\u00f6tzlich rast ein Fahrzeug an mir vorbei, ich habe es gedankenverloren nicht geh\u00f6rt und schon bin ich in einer Staubwolke eingeh\u00fcllt. Ich rufe als Pilger ein paar &#8222;nette Wort&#8220; dem Fahrer nach.<\/p>\n<p>Wieder ein Gipfel erreicht, wieder kein Dorf zu sehen, nur wieder den n\u00e4chsten Gipfel am Horizont. Irgenwann h\u00f6rt auch das Denken auf, die F\u00fc\u00dfe melden sich wieder. Ab und zu ein Schluck Wasser und wieder eine Pause. Es gibt keinen schattigen Platz,  nur die pralle Sonne. Daran bin ich nun schon gew\u00f6hnt. Ich finde am Rand eines Weinfeldes neben einem Strauch ein Pl\u00e4tzchen. Die blauen Trauben fallen mir fast in den Mund. Sie wirken wie Doping!<\/p>\n<p>Es geht weiter und am Horizont erscheint wie ein wei\u00dfer Pinselstrich mit roten Farbtupfer der Ort, aber  noch v\u00f6llig unscharf. Weiter geht es von H\u00fcgel zu H\u00fcgel immer gerade aus. Dann verschwindet dieser Pinselstrich wieder, nur die Berge werden immer klarer. Auch das Dorf wird zeitweise erkennbar. Die Kilometer schleichen dahin, langsam wirkt es zerm\u00fcrbend. Irgendwann h\u00f6rt auch diese verdammte Gerade auf. Der Weg wechselt von der Piste in einen Feldweg. Ich mache eine weitere Pause und muss feststellen, dass ich den letzten Tropfen meines Wassers (2,6 Liter) getrunken habe. Der Ort ist noch ca 5 km entfernt und die Hitze! Es geht schleichend immer weiter, mein Mund ist v\u00f6llig trocken.<\/p>\n<p>Endlich habe ich den Ort erreicht. Hier fand am Wochenende wohl ein Dorffest statt, es ist 17:00 und ich sehe Leute beim Wegr\u00e4umen von St\u00fchlen und Tischen. Ich mobiisiere meine letzten Reseven und eile dem Platz entgegen. In einem Hof finde ich am Tresen noch ein paar Leute und bestellen 1,5 Liter Wasser und eine Cola. Wie das Trinken gut tut! Gest\u00e4rkt geht es weiter, das Hostel, es liegt am Camino, ist schnell gefunden. An der Rezeption sitzt ein junges M\u00e4dchen und nimmt von mir keinerlei Notiz. Sie telefoniert offensichtlich privat. Innerlich koche ich. Im Restaurant nebenan sehe ich eine Bedienung und und wende mich an sie. Auch Sie ist nicht sonderlich freundlich, aber ich bekomme mein Zimmer, meinen Stempel und zahle 15 EUR. Das Zimmer ist gut mit eigenem WC und Badewanne. Klimaanlage ist auch vorhanden.<\/p>\n<p>Klamotten aus und eine Pause auf dem Bett ist f\u00e4llig. Danach beginnt das t\u00e4gliche Ritual wieder. Um 20:00  versp\u00fcren ich Hunger, habe schlie\u00dflich nichts seit letzten Abend gegessen. Im Ort ist aber das Restaurant geschlossen. In einer Bar habe ich dann aber Gl\u00fcck. Der Wirt bereitet aber nicht selbst zu, es wird von einem anderen Geb\u00e4ude auf der anderen Stra\u00dfenseite angeliefert. Dann taucht auch Markus auf, er suchte auch verzweifelt nach etwas zu essen. Gegen 22:30 verlasse ich die Bar, drau\u00dfen wird wieder bei dr\u00f6hnender Musik gefeiert.<\/p>\n<p>Im Zimmer lasse ich Wasser f\u00fcr ein ausgiebiges Bad laufen. Die Badewanne ist winzig, ich m\u00fcsste mich falten k\u00f6nnen um richtig zu baden. Liege ich mit dem Oberk\u00f6rper im Wasser strecke ich meine Beine an der Wand hoch. Wenn ich die F\u00fc\u00dfe ins Wasser tauchen will, mache ich unfreiwillig Dehn\u00fcbungen f\u00fcr die Waden. Trotzdem genie\u00dfe ich das Bad.<\/p>\n<p><strong>Fazit f\u00fcr heute:<\/strong>Habe heute im Ansatz f\u00fchlen k\u00f6nnen was Durst hei\u00dft. Das Positive: &#8222;Ich habe wieder Dehn\u00fcbungen gemacht&#8220;!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Villafranca de los Barros &#8211; Torremegia Habe wieder verschlafen, aber wahrscheinlich brauche ich den Schlaf. Ohne Fr\u00fchst\u00fcck starte ich um 8:15. Der Ortsrand ist schnell erreicht. 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